Interview Natalie Boden

Gleich zu Beginn die obligatorische Frage:
Warum Fotografin?
Meine Schwester ist das schuld (lacht). Wegen ihr habe ich zunächst mit einer Digitalkamera auf Events Bilder für Click-Me geschossen. Als ich dann eine Umschulung machen musste – ich bin eigentlich gelernte Zahntechnikerin – habe ich mich nach sieben Jahren im Berufsleben zur Fotografin ausbilden lassen und mich 2011 mit meinem eigenen Studio selbstständig gemacht. Aber man lernt nie aus: Ich nehme immer wieder an Workshops zum Fotografieren und Bildbearbeiten teil. Ich möchte meinen Stil immer wieder neu erfinden. Außerdem bin ich mittlerweile im Prüfungskomitee für diejenigen, die ihre Abschlussprüfungen zum Fotografen ablegen.

Wann stehst Du morgens auf? Gibt es einen Arbeitsalltag?
Ehrlich gesagt: sehr früh! Ich bereite mich sehr gut auf meine Shootings vor und das nimmt Zeit in Anspruch: Das Set muss vorbereitet werden, die Kameras, die Lichter… Vor allem in den Monaten von April bis einschließlich Dezember bin ich wegen der Hochzeiten komplett ausgebucht. Von Januar bis März ist das etwas ruhiger – aber auch da habe ich natürlich einiges
um die Ohren. Gleich shoote ich zum Beispiel noch einen Babybauch.

Apropos: Was sind Deine Steckenpferde?
Ich habe mich in den letzten Jahren vor allem auf Porträt- und Paarfotos, Hochzeitsreportagen, Babybilder und auch auf Firmenporträts konzentriert. Bei Letzteren fange ich beispielsweise das ganze Unternehmen bildlich ein – vom Mitarbeiter für das Intranet bis hin zur Fabrikhalle.

Und welche Locations kommen zum Einsatz?
Das kommt auf den Anlass an. In meinem Studio finden natürlich auch viele Shootings statt. Am liebsten fotografiere ich allerdings in der Natur. Leider gibt es in und rund um Trier begrenzt Möglichkeiten. Wenn man nicht immer wieder die gleiche Kulisse ablichten möchte, dann muss man die Gegend sehr gut erkunden. Paar- und Hochzeitsshootings mache ich gerne in der Nähe der Pärchen. Meist stellt sich schon beim Telefonat heraus, dass ein schönes Feld in der Nähe ist oder die Oma noch ein Haus mit einem wunderschönen alten Tor hat. Ich finde, es ist zudem eine romantische Vorstellung, wenn man dann danach immer mal wieder an diesem Platz vorbeifährt und fragt: Weißt du noch, damals, als wir hier das Shooting hatten?

Ist es nicht so, dass insbesondere bei den Paarshootings die
Männer eher zurückhaltend sind?
Das ist nach zehn Minuten verschwunden. Ich rede, frage und agiere so viel mit den Paaren, dass der Druck ganz schnell verschwindet. Und bisher ist noch jeder Mann glücklich und zufrieden hier rausgegangen und kam sogar noch zu weiteren Shootings zu mir. Ich glaube, ich kann ganz gut mit Menschen umgehen. (lacht) Und bei Hochzeiten ist das überhaupt gar kein
Problem: An diesem Tag sind die Paare so sehr von der ganzen Atmosphäre gerührt und eingenommen, da entstehen die Fotos wie von selbst. Vor allem, weil Braut und Bräutigam an dem Tag wirklich IMMER wunderschön aussehen. Das spüren sie auch. Sie fühlen sich wohl und das spiegelt sich auch auf den Fotos wider.

Wie läuft so eine Hochzeitsreportage denn generell ab?
Also ganz grundsätzlich begleite ich das Paar etwa sechs Stunden lang an seinem Hochzeitstag. Dabei fotografiere ich beim Sektempfang, die Messe und Trauung an sich, die Gratulation im Anschluss vor der Kirche, mache Gruppenfotos von Familie und Gästen und natürlich gehört das Shooting vom Paar dazu. Alle entstandenen Fotos bekommen die Paare dann auf DVD, eine kleine Auswahl bearbeite ich auch – schließlich entstehen in den knapp sechs Stunden im Schnitt um die tausend Fotos – und zusätzlich bekommt jedes Paar noch ein Fotoalbum von mir. Denn der Fokus meiner Arbeit liegt auf den Bildern, nicht auf weiteren Produkten. Dafür kooperiere ich zwar mit Firmen, auch mit einer Druckerei aus Trier, aber letztendlich berate ich die Paare und verweise sie direkt dorthin, wenn sie weitere Wünsche haben.

 

Und was machst Du, wenn das Wetter an der Hochzeit nicht
mitspielt?
Dann kommt der Regenschirm zum Einsatz! Ich sammle fleißig und habe ganz schöne Exemplare, der Pagodenschirm ist sehr beliebt. Außerdem findet sich immer ein Plätzchen, an dem man im Trockenen knipsen kann. Improvisation ist alles! Das gilt übrigens auch für Accessoires. Denn ich bastle sehr gerne und habe ein Auge fürs Detail: Ob Girlande, hübsche Gläser, selbst lackierte Vasen, ein Wachsstempel, Polaroid-Kamera und und und. All das peppt so manche Location auf. Aber nicht nur fürs Bild – ich verleihe die Accessoires auch gerne für Hochzeiten. Du bist verlobt und Deine Hochzeit steht im Sommer an.

Nun stellt sich die Frage, wer Deinen schönsten Tag mit der
Kamera festhalten darf ?
Das werde ich ganz oft gefragt. Also, ich habe dafür zwei Fotografen engagiert: einen fürs Standesamt und eine Fotografin aus Karlsruhe für die restliche Hochzeit. Bei ihr passt die Chemie einfach. Und das muss es, damit die Bilder wunderschön und einmalig werden. Genau dieses Gefühl möchte ich meinen Kunden auch immer mitgeben!

„Ich bin so dankbar für meinen Job, denn ich darf Momente und Gefühle in Bildern festhalten, und mit einem Blick die Erinnerung weiter leben lassen.“
Natalie Boden

 

….gefragt von Lisa Jäger