Seine Mission: die freie Trauung sein Beruf: freier Theologe

Ein Gespräch mit Uwe Klink aus Reil an der Mosel

Mehr als 500 Trauungen hat er in den letzten 14 Jahren gestemmt. Traditionelle, rituell-christliche, aber auch persönlich-alternative Feiern. Er traut in der Kirche, aber auch in einem Leuchtturm, im Garten und im Flugzeug, am Strand und auf dem Schiff. Auch unter Wasser hat er es schon getan: Uwe Klink aus Reil an der Mosel ist als freier Theologe Spezialist für Trauungen der etwas anderen Art. „Ich liebe es, frei zu trauen“, sagt er im Interview mit unserem Magazin und wer im digitalen Gästebuch seiner Homepage stöbert, der merkt schnell: Uwe Klink macht seine Sache gut. Der studierte evangelische Theologe hat viele Jahre in einer Gemeinde in Bayern als hauptverantwortlicher Pastor gearbeitet. Heute lebt er in Reil an der Mosel, ist glücklich verheiratet und hat zwei Kinder.

In der heutigen Zeit, so sagt er, sei der Wunsch nach einer individuellen Hochzeit groß. Manche Paare sind aus der Kirche ausgetreten und empfinden die standesamtliche Trauung als zu nüchtern für diesen Tag, manche Paare sind geschieden und können nicht mehr kirchlich heiraten, manche haben eine andere Weltanschauung oder gehören einer anderen Religion an. Sie alle aber haben den einen Wunsch: Die Hochzeit zu etwas ganz Besonderem werden zu lassen.

Herr Klink, was ist eigentlich eine freie Trauung?
Eine freie Trauung ist allen voran wirklich das, was es sagt: FREI! Sie ist weder an Glaubenszugehörigkeiten noch an Konventionen, amtliche Bestimmungen oder an ein „das macht man doch nicht“ gebunden. Sie kann an jedem Ort stattfinden und genau so sein, wie es sich das Brautpaar wünscht. Manches Paar möchte neben dem bürokratischen Verwaltungsakt beim Standesamt auch eine feierliche und stilvolle Zeremonie mit dem ganzen Programm, das eine Hochzeit so wunderbar und traumhaft macht.

Ist die freie Trauung denn auch rechtlich verbindlich?
Wie die kirchliche Trauung auch ersetzt die freie Trauung nicht die standesamtliche Eheschließung. Die Ehe kann in Deutschland rechtlich verbindlich nur durch einen Standesbeamten beim Standesamt geschlossen werden. Eine freie Trauung wird zeremoniell ergänzend zur standesamtlichen Eheschließung gewünscht, um eine individuelle und persönlich auf die Bedürfnisse des Paares zugeschnittene Feier ihrer Liebe zelebrieren zu können.

Man hat aus Hollywood-Filmen ja eine Menge Bilder im Kopf. Wie läuft eine solche Trauung bei Ihnen ab?
Eine freie Trauung sollte gemeinsam mit den Interessen des Brautpaares entwickelt werden. Feierlich und würdevoll. Sie sollte humorvoll, aber nicht albern sein. Ausgesuchte Musik, den Einzug der Braut in ihrem Brautkleid, Blumenschmuck, Blumenkinder, eine Handlung, die die Gäste mit einbindet, Kerzen, Ansprachen, Rituale, den Ringwechsel, den Kuss, oder eben nur ein Teil von dem allen. Alles kann, nichts muss! Und ganz wichtig: Nachher sagen die Gäste: „Ja, das war wirklich genauso, wie wir unsere beiden Lieben kennen.“

Sie haben ja irgendwie einen außergewöhnlichen Job. Wie kommt man auf die Idee, freier Redner und Prediger zu werden?
Nach dem Studium der Theologie und dem aktiven Gemeindedienst war es mir Anliegen und Freude, Menschen an ihrem wichtigsten Tag begleiten zu dürfen. Das ist nach wie vor eine Aufgabe und Ehre zugleich. Mir ging es um einen Perspektivwechsel, also genau hinzuschauen, was ist gerade dran bei dem Brautpaar? Was ist deren Lebenswirklichkeit? Was brauchen die beiden? Was macht sie aus? Und eben hoffentlich nicht von einer Institution etwas übergestülpt zu bekommen, was nicht zu den beiden passt. Das war mein Empfinden vor über 500 Trauungen. Und ich liebe es nach wie vor, frei zu trauen.

So viele Trauungen, so viele unterschiedliche Paare. Wie gehen Sie die Sache an?
Wie bereiten Sie sich vor?
Mit dem Kennenlernen! Denn die meisten wünschen sich eine persönliche Zeremonie, die ihre individuelle Liebe zueinander beschreibt. Das möchte ich gerne über die beiden herausfinden, indem wir einfach gemeinsam ins Reden und Zuhören kommen. Und dann geht es in die Planung der Zeremonie. Ich darf meine Ideen und Erfahrung einbringen, das Brautpaar seine persönlichen Vorstellungen und Wünsche. Dazu nehmen wir uns Zeit für zwei bis drei persönliche Vorgespräche. Wichtig ist mir: Bitte keine Langeweile an dem schönsten Tag, auch nicht in der Zeremonie!

Klingt nach viel Zeitaufwand. Wie lange brauchen Sie, bis die perfekte Trauung vorbereitet ist?
Das ist sehr unterschiedlich. Mit einigen Brautpaaren entwickelt sich ein lustiger Abend bei einem Glas Riesling, so dass man die Zeit einfach vergisst. Meistens braucht ein Vorgespräch so etwa zwei Stunden. Und dann geht es an die Planung und das Entwickeln der Rede. Oft fallen einem während der Autofahrt oder in der Nacht Ideen ein, die genau zu dem Brautpaar passen. Und dann muss ich natürlich schnell alles notieren.

Wovon lassen Sie sich inspirieren?
Ich liebe Menschen. Und zwischen den Zeilen meiner Brautpaare zu lesen, macht eine Menge Freude. Das ist immer sehr spannend und erweitert den eigenen Horizont. Außerdem lese ich gerne und höre inspirierende Musik. Wenn ich abends mit meiner Familie auf dem Balkon sitze und unseren wunderschönen Moselblick genieße, dann kann ich die Seele herrlich baumeln lassen.

Was macht eine gute Rede aus?
Ich liebe es, wenn Ergriffenheit und Begeisterung ankommt. Für mich persönlich ist eine Rede dann gut, wenn sie inspiriert, motiviert und humorvoll neue Perspektiven aufweist. Albernheit und Humor auf Kosten anderer, das gehört für mein Empfinden nie in eine gute Rede. Klar, dass dies nur mit Emotionen, einer klaren Struktur und einem authentischen Redner gelingt. Und nicht zu vergessen: Eine gute Rede hat einen guten Anfang und ein gutes Ende – und beide sollten möglichst dicht beieinander liegen. Sagt Mark Twain.

Woher kennen die Menschen Sie und wie lernen Sie die Brautpaare kennen?
Interessanterweise vergehen kaum Trauungen, bei denen ich nicht angesprochen werde und nach meinen Kontaktdaten gefragt werde. Da heißt es dann oft: „So eine Trauung möchte ich unbedingt auch haben!“ Über die Jahre ist natürlich auch ein gutes Netzwerk mit verlässlichen und professionellen Partnern gewachsen, über das ich sehr dankbar bin. Außerdem empfehlen einen die Agenturen gerne weiter. Und heute ist das Internet (diplomtheologe.de) nicht mehr weg zu denken, wenngleich meine Seite dringend überarbeitet werden muss.

Hat Sie eine Trauung und eine Liebesgeschichte schon einmal ganz besonders berührt?
Neben den vielen, unbeschreiblich schönen Trauungen, die einen so fröhlich, glücklich und dankbar werden lassen, gab es auch eine Trauung, die mit zu den Schwersten gehörte. Der Bräutigam war unheilbar krank und bat mich, wenn es soweit sein wird, auch seine Beerdigung zu zelebrieren. Das war für mich sehr berührend und bewegend, zumal die Beerdigung noch viel früher als erhofft stattfand, nämlich nur ein knappes halbes Jahr nach dieser sehr emotionalen Trauung.

Sie waren schon an sehr vielen beeindruckenden Locations. Ist Ihnen eine besonders in Erinnerung geblieben?
Ich habe schon im Fußballstadion getraut, unter Wasser, am Strand, auf Inseln, im Heißluftballon, auf romantischen Weingütern, auf dem Schiff, im Iglu, in erstklassischen Hotels und schönen Parks. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir aber die Trauung auf einem Gartengrundstück der Eltern des Brautpaares, bei dem wir während der Trauung einen Baum pflanzten und den Grundstein für das gemeinsame Haus legten. Das dann als Überraschung auch noch der örtliche Musikverein spielte und zum Schluss ein Flashmob startete, sorgte für eine ganz besondere Stimmung.

Bei Ihrem reichen Erfahrungsschatz: Was macht für Sie das perfekte Paar aus? Oder gibt es das gar nicht? Was ist das Geheimnis einer guten Ehe?
Das perfekte Paar gibt es natürlich nicht, aber Tipps für eine gelingende Partnerschaft, die gibt es sehr wohl. Kommunikation, Freiheiten, Vertrauen und Kreativität sind genauso wichtig wie der feste Wille, zueinander zu stehen und an der Partnerschaft gemeinsam arbeiten zu wollen. Dieses bedingungslose Ja füreinander ist wichtiger als 1000 Übereinstimmungen in irgendeinem Partnerschaftstest.

Letzte Frage, Herr Klink. Wie haben Sie geheiratet?
Romantisch verspielt in einer kleinen Kirche in Marburg unter Einbindung von ganz, ganz vielen tollen Freunden und Verwandten. Angenehm schlicht und urban. Ein Freund hat uns die wunderschöne Hochzeitstorte als Überraschung gebacken, Freunde haben dekoriert, die Cousine atemberaubend live die Herzen mit „The Rose“ erobert und es war alles sehr emotional. Meine liebe Frau sagt heute nach 17 Ehejahren immer so nett: „Ach, wie gut, dass wir nicht mehr heiraten müssen, was man heutzutage alles so machen könnte, das artet ja in Stress aus.“

„Danke für deine Worte und die besonders stimmungsvolle Rede, die nicht besser hätte passen können. Wahnsinn! Danke für deine offenen Ohren und deine Ratschläge hinsichtlich unserem großen Tag – auch schon im Vorfeld. Das tat so gut! Wir sind froh, dass wir Dich gefunden haben!“
Familie Schneider