Ja, ich will – aber wo anders!

Eine Hochzeit wie eine Oase in der Wüste

Ein Fahrrad und Kopfschmuck aus Büffelhörnern werden für gewöhnlich nicht sofort mit einer Hochzeit in Verbindung gebracht. Doch bei dieser ganz speziel-len Hochzeit war beides ein wichtiger Bestandteil – was weniger verwunderlich ist, wenn man weiß, dass die Hochzeit von Nina Ho und Bryan Rodriguez auf dem jährlichen Event „Burning Man“ in der prächtigen Wüstenlandschaft Black Rock im US-Bundesstaat Nevada stattfand.

Das Ja-Wort gab sich das Brautpaar an einem wunderschönen Punkt im Deep Playa – bei einer umwerfenden Aussicht auf den Sonnenaufgang über den Bergen am Horizont. Sie schließen den Bund der Ehe ganz in Weiß, mit besonderen Accessoires aus Fell und Gesichts- und Hüftketten. Alles wirkt mächtig, schamanen- und el-fenhaft.

Die Abgelegenheit der einzigartigen Lage macht die Hochzeit zu einer Er-fahrung, bei der man der Natur kaum näher sein kann. Kennengelernt haben sich Nina und Bryan, als sie auf der Arbeit bei Rockstar Games in New York in denselben Aufzug stiegen. Bryans Hund Skramps, ebenfalls mit im Aufzug, sorgte sofort für Gesprächsstoff. Nun sind die beiden seit 6 Jahren ein Paar und leben gemeinsam in New York. Bei den Hochzeitvorstellungen waren sich beide schnell einig, dass sie sich keine große Hochzeit wünschten: „Es wäre auch schwierig gewesen, alle zusammen zu bekommen, da meine Familie groß ist und in Deutschland, Australien, Amerika und Vietnam verstreut lebt“, erzählt Nina. „Ich selbst bin in Deutschland in Iserlohn, Nordrhein-Westfalen, aufgewachsen, wohne aber nun seit neun Jahren in New York.” Das Vorhaben, fernab von New York zu heiraten, entstand bei dem Paar zum ersten Mal, nachdem ein Besuch auf dem Burning Man Event im Jahr 2014 einen bleibenden Eindruck hinterließ: „Beim Burning Man kommen jährlich circa 70.000 Menschen in der Wüste Nevadas zusammen. Hier entsteht für einen Zeitraum von 8 Tagen eine temporäre Gemeinschaft, die für kurze Zeit zur zweitgrößten Stadt in Nevadas wird. Es ist ein Ort der intensiven Selbstdarstellung – die Menschen, die hier zusammen kommen, widmen sich Prinzipien wie der Mäßigung des Konsum-verhaltens und der Förderung des anti-kommerziellen Bewusstseins“, erklärt Nina.

Die beiden haben sich also für diese bezaubernde Location entschieden und sie mit ihrem eigenen künstlerischen Stil vermischt. Passend zur Traumkulisse sollte auch das Styling des Brautpaares etwas ganz Persönliches und Außergewöhnliches sein. Die Outfits und der Schmuck waren inspiriert von Studio Ghibli’s Prinzessin Mono-noke und waren ein Mix aus handgemachten Stücken, Second-Hand-Sachen und Unikaten, die sie beim Spazierengehen auf Straßenmärkten entdeckt oder online ergattert hatten. „Mein Hochzeitskleid hatte ich selbst entworfen und genäht. Ich hatte mir meinen Rock zuerst aus einem alten Bettlaken zusammengenäht und er sah dann überraschenderweise so gut aus, dass ich ihn letztendlich als Unterrock in meinen Hochzeitsrock eingenäht habe. Für das Oberteil fand ich Inspirationen bei orientalischen Bauchtänzern. Das Oberteil besteht aus einem alten BH, Polypropylen Gewebe und Stoff. Die Herausforderung für mich war, dass ich das Oberteil bei warmem sowie bei kaltem Wetter mit einem Shirt drunter anziehen konnte, weil wir noch nicht wussten, ob es kalt oder warm werden wird. Bryans Hose habe ich auch nach Vorlage einer seiner Hosen selbst genäht. Uns war wichtig, dass wir denselben Stoff tragen“, so Nina. Der besondere Hingucker, der die Köpfe der beiden ziert, ist das Werk einer talentierten Freundin, die sie aus weißen Vintage-Füchsen, Büffel-Horn, sowie poliert und geschnittenen Steinen handgefertigt hat.

So viel Kreativität will geplant sein: „Burning Man zu planen ist an sich bereits eine Heraus-forderung, weil man von Unterkunft, Transport Mittel bis hin zur Versorgung alles planen muss. Circa drei Monate vor dem Event hat Nina dann angefangen, unsere Kleidung zu nähen“, so Bryan.

Über den Verlauf und die Details der Hochzeit haben sie sich weniger Sorgen ge-macht als über die Kleidung. Die größte Debatte war, ob die Zeremonie zu Son-nenaufgang oder Sonnenuntergang stattfinden sollte. Zwei Tage vor Abflug haben sie sich letztendlich auf den Sonnenaufgang am Dienstag den 29. August 2017 geeinigt, weil man nicht oft die Chance bekommt, sich einen Sonnenaufgang an-zusehen. Die Nacht vor der Hochzeit war sehr kurz: „Wir sind um 4 Uhr morgens aufgestanden, um uns fertig zu machen. Um 4:30 Uhr wurde unser Camp sanft mit dem Lied ‚Blackbird‘ von den Beatles aufgeweckt. Wir haben unsere Kleider angezogen und Bryan hat mir geholfen, das Oberteil und den Kopfschmuck zu be-festigen. Gegen 5 Uhr sind wir dann alle gemeinsam aufgebrochen, da die Sonne gegen 5:40 Uhr aufgehen sollte“. 
An der Traumlocation angekommen, haben alle Gäste im Kreis mit Händedrücken Energien ausgetauscht. Die besten Freunde der beiden, Carmina und Malthe, haben die Zeremonie geleitet. Das Paar tauschte die selbstverfassten Gelöbnisse aus und beendeten die Zeremonie mit einem Geschenk selbst gemachter Garnelen-Ketten an die Gäste. Im Anschluss wurden Fotos gemacht, getanzt, gelacht und der wun-derschöne Sonnenaufgang betrachtet. Besonders war auch der Rückweg ins Camp: Das Paar radelt voraus, an ihren Rädern klapperten Ketten aus Dosen, die Malthe zu-vor befestigt hatte. Im Camp angekommen, haben alle zusammen gefrühstückt und gefeiert. Am selben Nachmittag gab es dann einen großen geladenen Sandsturm, der ziemlich gefährlich sein kann. „Hätten wir uns für eine Zeremonie bei Sonnenun-tergang entschieden, hätte die Trauung nicht wie geplant stattfinden können. Das Universum hatte letztendlich dann doch alles so, wie es sein sollte, zur Verfügung gestellt und wir waren erleichtert und zufrieden“, sagen die beiden.

Es war eine Hochzeit mit Blick in eine fast unendliche Weite und in stiller Schönheit – diese Erinnerung teilen Nina und Bryan. Wir wünschen beiden, dass ihre Liebe genauso stark ist wie ihre Hochzeit, Stürme übersteht und dass sie am Ende immer auf diese atemberaubende Zeit zurückblicken können. Alles Gute!