SPITZE, TÜLL UND VINTAGE UND EIN HAUCH VON FARBE

Wie groß und in welchem Rahmen ge-feiert wird, mag ja sehr unterschiedlich sein. Doch in einem Punkt scheinen sich Brautpaare weitgehend einig zu sein. Ge-heiratet wird in aller Regel „ganz in Weiß“. Allerdings lässt sich in diesem Jahr ab und an auch ein wenig Farbe erahnen. Wer sich etwas mehr „traut“, hat sogar durch-aus die Qual der Wahl. Die Möglichkeiten reichen vom Eisprinzessinnen-Brautkleid in einem zarten, aber eben auch kühlen Blau bis zur duftigen Kreation mit einem Blumenornament im zur Zeitreise entfüh-renden Vintage-Look.
Ältere Paare dürfte das an eine Epoche erinnern, in der Mut zur Farbe geradezu angesagt war. Denn in der „Flower-Po-wer-Zeit“, als Blumenkinder die Trends bestimmten, verstand es sich fast von selbst, dass das an Brautmoden nicht spurlos vorüber gehen konnte. Und auch damals, ab den 1960er Jahren bis Mitte der 1970er Jahre, waren weniger grel-le Töne gefragt als eher Pastellfarben. Manchem älteren Gast fehlte aber oft dennoch das Verständnis für ein derart buntes Treiben. Schließlich war es für Brautpaare ihrer eigenen Generation teils noch selbstverständlich, in Schwarz, der früheren Festtagskleidung, zu heiraten. Schwarz signalisierte Sittsamkeit und Ordnung – und die Stoffe waren pflege-leichter. Erst in den jüngsten 200 Jahren setzten sich weiße Brautkleider durch. Und das ist nicht zuletzt einer namhaf-ten Trägerin zu verdanken: Elisabeth von Bayern, die spätere Sissi, heiratete 1854 in Weiß.
Wie die Farben unterlagen auch Stoffe und Stil der Brautkleider einem stän-digen modischen Wandel. Zur Zeit des „Mini“ trugen auch Bräute sehr gern kurz und die schlanke Linie der 1920er Jahre mischt bis heute immer wieder mit bei den Trends. Aktuell besonders gefragt sind laut Julia Steffen, Inhaberin von Marryfair in Bitburg, „Spitze, Tüll und Vintage“. Allerdings in vielfältigsten Va-rianten und Möglichkeiten. Als Klassiker erweist sich das „trägerfreie“ Kleid. Unge-achtet einer leicht rückläufigen Tendenz ist es nach wie vor angesagt. Ebenso sind Spitzenoberteile kaum mehr weg zu den-ken bei den Brautmoden mit weiterhin beliebten tief ausgeschnittenen Rücken. Sehr gefragt sind aber auch Kleider aus fließend fallenden Stoffen sowie Modelle aus leichtem Tüll und mit ausladenden Volants. Und dann ist da noch der „Hauch von Farbe“, von dem Julia Steffen spricht. Als Beispiele nennt sie Rosé und Beige oder auch Hautfarben. Ein Wiederaufleben von Flower Power ist aber wohl nicht zu erwarten. „Da sind wir noch weit von weg“, ist sich die Expertin sicher.