Zum Ja-Wort aufs Partyschiff Telegraaf IV

Wer im Großraum Trier lebt und davon träumt, sich auf dem Wasser trauen zu lassen, muss dafür nicht etwa ans Meer fahren. Praktisch gleich vor der Tür gibt es eine at-traktive Alternative: Brautpaare können sich auf der Mosel trauen lassen, auf dem ehema-ligen Postschiff Telegraaf IV. Eine behördliche Voraussetzung dafür ist das Dach über dem Kopf während der Zeremonie. Eine weitere ist der feste Ankerplatz, der für die Zeit der Zeremonie nicht verlassen werden darf. Denn ansonsten könnten sich Komplikationen wie der im schlimmsten Fall ungewisse exakte Trauungsort ergeben. So könnte es etwa passieren, dass ein Standesbeamter ein Paar trauen würde und dafür womöglich gar nicht mehr zuständig wäre, weil kurz zuvor eine Verwaltungsgrenze passiert wurde.
Brautpaare, die sich bei freier Fahrt das Ja-Wort geben möchten, muss Joachim Zim-mermann, Eigentümer und Kapitän des Schif-fes, daher zwar enttäuschen. Doch nach der Trauung gemächlich los zu schippern, kommt bei seinen Gästen genauso so gut an. Ebenso wie die Feiern auf seinem Schiff oder der sie umrahmende Sektempfang. Über das Jahr wird sein Ex-Postschiff Telegraaf IV zwei- oder dreimal als externer Trauungsort, eine Außenstelle des Standesamtes Schweich, gebucht. „Manche Paare feiern auch gleich im Anschluss ihre ganze Hochzeit an Bord“, erzählt der Kapitän, der dafür dann auf Wunsch ein Catering ordert. Üblich sei aber auch, dass bereits anderswo getraute Paare auf seinem Schiff mit Freunden und Verwandten einfach nur feiern wollten.
Die früheren Eigentümer des Schiffes dürften jedenfalls mehr als zufrieden sein mit der ak-tuellen Nutzung des Schiffes. Als sie sich aus Altersgründen zum Verkauf entschieden, war es ihnen wichtig, dass ihr lang jähriges Zuhause in gute Hände kommt. „Viele wollten es haben – und manche hatten mehr gebo-ten als ich“, erinnert sich der aus Börfink im Hunsrück stammende heutige Eigentümer noch sehr gut.

TELEGRAAF IV

Das 1928 gebaute Schiff transportierte vierzig Jahre lang Briefe und Pakete zwischen dem niederländischen Festland und den vorgelagerten Inseln. Als es durch den Bau von Brücken und Deichen schließlich ausgedient hatte, wurde es zum Frachtschiff umgebaut, das bis 1993 europäische Wasserstraßen befuhr. 1994 stand ein erneuter Umbau an: zum Charter- und Ausflugsschiff. Das heutige Partyschiff, ein beheizbares Motorschiff, verfügt über eine Disko, einen Speiseraum, eine Bar, ein Sonnendeck und eine Bühne für Vorführungen. Daher wird es für unterschiedlichste Feste – von der Geburtstagsfeier bis zum Betriebsausflug mit bis zu etwa 200 Gästen – gechartert. Trauungen an Bord des Schiffes sind mit zusätzlichen Ge-bühren verbunden. Doch dafür werden sie „an einer Anlegestelle in der Verbandsgemeinde Schweich“ angeboten. Anfangs hatte das Schiff seinen Ankerplatz in Pölich, heute in Schweich. Von dort aus startet es heute auch zu Tagesfahrten über Mosel und Saar. Und es kann, nach Vereinbarung, dort auch besichtigt werden. Mehr Informationen: www.telegraaf.de.

Text: Ursula Schmieder