Hochzeit mit tierischen – und anderen Glücksbringern

Standesbeamte aus der Region erzählen ihre schönsten Anekdoten

In Standesämtern geht es in aller Regel feierlich zu – ab und an aber auch unkonventionell. Denn das ehrwürdige Amt ist auch immer wieder Schauplatz ungewöhnlicher Begebenheiten. Mancher lang jährige Standesbeamte könnte über seine persönlichen Erfahrungen im Dienst Bücher schreiben, was aber wohl die wenigsten tatsächlich je tun. Doch auf die ihnen zugesicherte Anonymität vertrauend, waren aber einige bereit, dem Trierischen Volkfreund für sein Magazin „verliebt“ von der einen oder anderen Anekdote zu erzählen:

 

„Schnuffi“ als Ringträger
In einem Standesamt im Hochwald hätte ein Brautpaar sein Ja-Wort beinahe mit Manschettenknöpfen statt mit Ringen bekräftigen müssen. Sie hatten versehentlich das falsche Schmuck-Etui eingesteckt. Glücklicherweise waren Wohnung und Amt aber nicht allzu weit voneinander entfernt, sodass die Schachteln rechtzeitig ausgetauscht werden konnten. Ein anderes Brautpaar hatte da besser vorgesorgt. Sie schraubten ihre Ringe auf einer Holzunterlage fest, die sie mit zum Standesamt brachten. Mithilfe des ebenfalls eingepackten Akkuschraubers wurden die Ringe erst vor Ort von ihrer Unterlage gelöst. Der Standesbeamte, der das übernahm, zeigte Verständnis für die „originelle Art einer Aufbewahrung von Ringen“. Doch auch dieser Einfall wurde getoppt.
Und zwar von Hundefreunden, die bei ihrer Trauung den geliebten Vierbeiner mit einbezogen. Der beste Freund des Brautpaares hielt sich zu Beginn der Zeremonie brav im Hintergrund. Auf ein Zeichen hin trottete er dann mit einem Körbchen in der Schnauze nach vorn, um die darin deponierten Ringe zu überbringen. Die Kreativität eines anderen Paares verpflichtete die komplette Gästeschar als Ringträger. Die Schmuckstücke wurden, jeweils eingefädelt auf eine längere Schnur, von der hinteren Gästereihe nach vorne gereicht. Das eine Ende der Schnur behielten „Hinterbänkler“ im Griff, das andere die vorne sitzenden Trauzeugen. Ein schöner und wohl auch beabsichtigter Nebeneffekt der Idee: auf diese Weise waren alle Gäste aktiv eingebunden bei der Zeremonie.

Trauung im Kreissaal
Vor Jahrzehnten beschäftigen Brautpaare oft völlig andere Fragen, wenn sie ihre Trauung planten. So wie in der Eifel dürften sich daher wohl auch anderenorts vor allem ältere Standesbeamte noch gut an Paare erinnern, die es auffallend eilig hatten. War die Zeit sehr knapp bemessen, wurde dann schon mal notgedrungen im Kreißsaal getraut. Denn für das Ansehen der angehenden Eltern und ihrer Familien war es wichtig, dass ihr Kind „ehelich“ geboren wurde. Unehelich Geborenen haftete mitunter ihr Leben lang ein unsichtbarer Makel an, teils dadurch verstärkt, dass das Jugendamt als ihr Amtsvormund fungierte. War die Trauung hingegen unter Dach und Fach, war alles andere halb so wild. Bei manchen Paaren stellte sich dann eben schon nach vier Wochen Nachwuchs ein – oder auch bereits nach wenigen Tagen oder sogar binnen 24 Stunden nach der Trauung. Dinge, die heutigen Paaren enorm wichtig sind, berührten die eiligen Hochzeiter kaum. Ihre Wunschhochzeitstermine orientierten sich weder am Valentinstag noch an einprägsamen Zahlenkombinationen wie in diesem Jahr am 18.08.2018. Der große „Run“ auf diesen Termin setzte schon Monate vorher ein. In manchen Standesämtern waren die räumlichen wie die personellen Kapazitäten an diesem Tag ziemlich erschöpft.

 

Hochzeit mit Adler
Dafür kommt es zumindest in größeren Standesämtern immer mal vor, dass Trauungstermine dann doch nicht wahrgenommen werden. Ein Standesbeamter an der Mosel erlebt es beispielsweise „mindestens einmal im Jahr“, dass Brautpaare zum vereinbarten Termin gar nicht erst erscheinen. Und weder die Ex-Braut noch der Ex-Bräutigam denken daran, den zuständigen
Beamten zu informieren. Möglicherweise bringen Standesbeamte ja gerade deshalb sehr viel Verständnis für Sonderwünsche auf. Was sollte auch dagegen einzuwenden sein, wenn ein Paar zu seiner Trauung einen Tanz vorführen möchte? In einem Standesamt an der Mosel war das jedenfalls problemlos möglich. Ebenso wenig gab es Einwände gegen eintätowierte Ringsymbole. Da sie anders als Ringe schwerlich vor Ort getauscht werden konnten, zogen Braut und Bräutigam sich stattdessen gegenseitig die Pflaster von ihren Tattoos ab. Und auch an der Mosel assistieren schon mal Tiere bei Trauungen. Dass ein Weißkopfseeadler die Ringe überbrachte, ist dort aber bisher tatsächlich nur einmal vorgekommen. Doch ab und an sagen die Beamten dann doch schon mal Nein. So etwa als ein Paar am Strand heiraten wollte, was dann aber nicht möglich war, woraufhin Braut und Bräutigam den Sand per Eimer in den Trauungssaal bringen wollten.